Der Tag fing wirklich gut an. Die Diät läuft perfekt. Ich verspüre keinen Hunger, obwohl ich heute nur 300 Kalorien gegessen habe. Schon morgens früh sah ich Keith, wie er sich vor der Schule noch eine geraucht hat. Wir redeten, verabredeten uns für den Nachmittag und ich verspürte schon die pure Vorfreude. Zuhause wieder, ging der Stress los. Zuerst wurde ich von meiner Mutter total fertig gemacht, weil ich mein Zimmer nicht geputzt habe und laut ihrer Devise " im Dreck leben würde ". Ebenso würde ich zu wenig für die Schule lernen und allgemein in allem zu wenig machen. Als sie das Mittagessen fertig machte, platzte ihr der Kragen. Ich wollte nichts essen. In meinem Kopf spielten sich die 300 Kalorien ab, die ich nicht überschreiten wollte. Dies passte ihr nicht und sie schrie mich regelrecht an. Für einen Menschen wie mich, der sehr sensibel ist, ist das unerträglich. Den gesamten Nachmittag verbrachte ich in meinem Zimmer mit Tränen in den Augen. Bis jetzt bin ich noch in dieser depressiven Stimmung. Ich musste Keith absagen, was ihn sehr enttäuschte. Mir kamen die schrecklichen Gedanken, ihn verlieren zu können. Nur durch meine Eltern bzw. meiner Mutter, darf ich ihn nicht sehen. Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, dass er mich nicht mehr aushält. Dass ihn meine Launen zu nervig wären. Ich hätte ihm fast von allem erzählt. Dass ich ab und zu Selbstmordgedanken habe, mich schon seit Jahren zu fett fühle und die Depression immer wieder zurück kehrt. Doch ich habe Angst vor seiner Reaktion. Angst, dass er mich verlassen würde. Dass ich ihm zu kaputt wäre. Ich will ihn einfach nicht verlieren. Ohne ihn, wäre ich total am Ende. Ich würde nicht mehr klar kommen, weil er der einzige positive Anhaltspunkt in meinem Leben ist.
Ich bin innerlich zerbrochen. Alles läuft schief. Voller Tränen, hätte ich ihn erst recht so gerne bei mir gehabt. Er wollte kommen, doch ich hatte Angst vor der Reaktion meiner Mutter. Ich hatte Angst, dass sie ihn nach Hause schicken würde, denn das wäre mir sehr sehr peinlich gewesen.
Es ist mittlerweile schon 20 Uhr. Von dem ganzen Weinen, bin ich totmüde und es kommt mir so vor, als hätten wir schon Mitternacht. Morgen und übermorgen werde ich Englisch und Italienisch schreiben. Die Angst zu Versagen ist so groß, wie noch nie. Ich kann mich noch an die letzte Klausurphase erinnern. Es war so schrecklich und unerträglich. Man fühlt sich dumm und für nichts gut. Die Versagerin sagt gute Nacht!
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